Lohnsteuerhilfeverein online: Darf ein Verein Sie beraten?
Seit der Reform des Steuerberatungsgesetzes gibt es keine Einnahmegrenzen mehr – feste Ausschlüsse gelten aber weiter. Der Check zeigt in rund einer Minute, ob ein Lohnsteuerhilfeverein für Sie in Frage kommt oder ob Sie einen Steuerberater brauchen.
- Auf Grundlage von § 4 StBerG in der ab 1. September 2026 geltenden Fassung
- Fachlich erstellt in Zusammenarbeit mit einem Steuerberater
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Reform 2026: Einnahmegrenzen sind entfallen
Bis Ende August 2026 durfte ein Lohnsteuerhilfeverein nur helfen, wenn weitere Einnahmen – etwa aus Vermietung – 18.000 Euro (bei Zusammenveranlagung 36.000 Euro) nicht überstiegen. Mit dem Neunten Gesetz zur Änderung von Vorschriften im Steuerberatungsrecht ist diese Grenze zum 1. September 2026 ersatzlos weggefallen.
Rechtsgrundlage: § 4 StBerG i. d. F. des Gesetzes vom 29.06.2026, BGBl. 2026 I Nr. 197.
Wer darf sich von einem Lohnsteuerhilfeverein beraten lassen?
Voraussetzung ist, dass Sie Mitglied sind und mindestens eine der Grund-Einkunftsarten haben. Daneben dürfen weitere Einkünfte vorliegen – solange keiner der gesetzlichen Ausschlussgründe greift.
Grund-Einkünfte (eine davon nötig)
- Arbeitslohn und Beamtenpensionen
- Gesetzliche und private Renten
- Riester-Rente, Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds
- Unterhalt vom früheren Partner (Realsplitting)
Zusätzlich erlaubt – ohne Betragsgrenze
- Vermietung und Verpachtung
- Kapitalerträge
- Private Veräußerungsgeschäfte, z. B. Kryptowährungen
§ 4 Abs. 1 und 2 StBerG
Diese Einkünfte schließen den Verein aus
- Gewerbe – auch Kleingewerbe, Onlinehandel oder Content Creation
- Selbständige und freiberufliche Tätigkeit – auch nebenberuflich
- Land- und Forstwirtschaft
- Umsatzsteuerpflichtige Umsätze, z. B. Vermietung mit Umsatzsteuer
Ausnahme
Die Einnahmen sind in voller Höhe steuerfrei – etwa Übungsleiter- oder Ehrenamtspauschale im Rahmen der Freibeträge oder eine steuerfreie kleine Photovoltaikanlage.
§ 4 Abs. 3 StBerG i. V. m. § 3 Nr. 12, 26, 26a, 26b, 72 EStG
Wobei hilft ein Lohnsteuerhilfeverein – und wobei nicht?
Der Verein unterstützt bei der Einkommensteuer einschließlich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer: Steuererklärung, Prüfung des Steuerbescheids, Einspruch und Schriftverkehr mit dem Finanzamt. Haben Sie Grund-Einkünfte, kommen Kindergeld und Familienleistungsausgleich, Zulagen wie die Arbeitnehmer-Sparzulage sowie Arbeitgeberaufgaben bei haushaltsnahen Beschäftigungen und Kinderbetreuung hinzu.
Für andere Steuerarten – Erbschaft- und Schenkungsteuer, Grunderwerbsteuer, Grundsteuer, Umsatzsteuer – ist ein Lohnsteuerhilfeverein nicht zuständig.
§ 4 Abs. 4 StBerG
Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater?
Beide sind gesetzlich zur Hilfe in Steuersachen befugt. Der Unterschied liegt im Umfang: Der Verein ist auf typische Arbeitnehmer- und Rentnerfälle beschränkt, der Steuerberater darf alle Steuerarten und Einkunftsarten betreuen.
| Lohnsteuerhilfeverein | Steuerberater | |
|---|---|---|
| Wer wird beraten? | Nur Mitglieder mit Grund-Einkünften, ohne Ausschlussgründe | Alle Steuerpflichtigen |
| Steuerarten | Einkommensteuer, Soli, Kirchensteuer, Kindergeld und einzelne Zulagen | Alle Steuerarten |
| Gewerbe, Selbständigkeit | Ausgeschlossen (Ausnahme: vollständig steuerfreie Einnahmen) | Ja |
| Steuerstrafverfahren | Keine Verteidigung | Verteidigung möglich, soweit die Finanzbehörde das Verfahren selbständig führt (§ 392 AO) |
| Kosten | Jahresbeitrag nach Beitragsordnung, ggf. Aufnahmegebühr | Vergütung nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) |
Was eine Steuererklärung beim Steuerberater kostet, zeigt steuerberatervergütung.de.
Checkliste vor dem Vereinsbeitritt
- Befugnis prüfen – zum Beispiel mit dem Check oben.
- Anerkennung des Vereins prüfen: Lohnsteuerhilfevereine brauchen eine behördliche Anerkennung.
- Beitragsordnung anfordern: Jahresbeitrag, Aufnahmegebühr, Fälligkeit.
- Kündigungsfrist und Mindestlaufzeit klären.
- Digitale Abläufe erfragen: Belegupload, Videoberatung, sichere Übermittlung.
- Steuerunterlagen nie unverschlüsselt per E-Mail an unbekannte Adressen senden.
Häufige Fragen
Gibt es 2026 noch eine Einnahmegrenze für Lohnsteuerhilfevereine?
Nein. Seit dem 1. September 2026 sind die früheren Grenzen von 18.000 Euro bzw. 36.000 Euro bei Zusammenveranlagung entfallen. Weitere Einkünfte wie Mieten oder Kapitalerträge stehen der Beratung unabhängig von ihrer Höhe nicht entgegen, solange kein Ausschlussgrund vorliegt (§ 4 Abs. 2 StBerG).
Darf ein Lohnsteuerhilfeverein Selbstständige oder Gewerbetreibende beraten?
Nein. Einkünfte aus Gewerbebetrieb, selbständiger Arbeit oder Land- und Forstwirtschaft sowie umsatzsteuerpflichtige Umsätze schließen die Beratung aus – auch bei einer kleinen Nebentätigkeit. Eine Ausnahme gilt nur, wenn die Einnahmen in voller Höhe steuerfrei sind, etwa im Rahmen der Übungsleiter- oder Ehrenamtspauschale oder bei einer steuerfreien kleinen Photovoltaikanlage (§ 4 Abs. 3 StBerG).
Hilft ein Lohnsteuerhilfeverein bei Mieteinnahmen?
Ja, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sind seit dem 1. September 2026 ohne Betragsgrenze möglich. Ausgeschlossen ist die Beratung, wenn umsatzsteuerpflichtig vermietet wird.
Hilft ein Lohnsteuerhilfeverein bei der Erbschaftsteuer?
Nein. Die Befugnis ist auf die Einkommensteuer mit Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer beschränkt, ergänzt um wenige Bereiche wie Kindergeld (§ 4 Abs. 4 StBerG). Für Erbschaft-, Schenkung- oder Grunderwerbsteuer ist ein Steuerberater zuständig.
Was kostet ein Lohnsteuerhilfeverein?
Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag nach der Beitragsordnung des Vereins, gegebenenfalls zuzüglich einer Aufnahmegebühr. Für die Beratung selbst wird daneben kein gesondertes Entgelt verlangt. Steuerberater rechnen nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) ab.
Muss ich Mitglied werden?
Ja. Lohnsteuerhilfevereine dürfen ausschließlich ihren Mitgliedern helfen (§ 4 Abs. 1 StBerG).
Ist lohnsteuerhilfeverein-online.de ein Lohnsteuerhilfeverein?
Nein. Diese Seite ist ein unabhängiges Informationsportal der Cyberlab GmbH. Eine Mitgliedschaft oder Steuerberatung ist hier nicht möglich.